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Kommentar von Margot Aigner
Nackte Zurschaustellung an der Playa de la Tejita
Die Gemeinde Granadilla überlegt, das Nacktbaden am wohl beliebtesten Nudisten-Strand der Insel, der Playa de la Tejita, zu verbieten. Anlass: zunehmend hätten sich Familien über die vielen am ganzen Strand verteilten, unbekleideten Sonnenanbeter beschwert.
Gegen das geplante Verbot will sich jetzt die größte spanische Nudisten-Vereinigung „Naturaten“ wehren. Die Gemeinde hätte kein Recht dazu, Strandbesuchern vorzuschreiben, am Strand Kleidung zu tragen. Es sei das persönliche Recht jedes einzelnen, für sich selbst zu entscheiden, ob er nackt baden möchte oder nicht, und ein Verbot des Nacktbadens sei somit illegal, so die Vereinigung. Der Präsident von Naturaten, Miguel Ramírez, erklärte gegenüber der Tageszeitung Diario de Avisos, dass er verstehe, dass es Menschen gäbe, denen es nicht gefalle, wenn andere nackt baden, er sich umgekehrt aber auch nicht darüber beschwere, wenn jemand mit Badekleidung an den Strand gehe. Eine Einstellung, die an die Ignoranz mancher Raucher erinnert: „Mich stört‘s nicht, dass du nicht rauchst“ (also hat es dich nicht zu stören, wenn ich in deiner Gegenwart rauche).
La Tejita sei schon immer ein Ort der Freikörperkultur gewesen, so Ramírez. Etwas zu verbieten, nur um des Verbots willen, sei lächerlich. Man solle es stattdessen lieber schätzen, dass es einen solchen Platz gäbe. Das Nacktbaden auf einen kleinen Bereich des Strands einzuschränken, sieht der Präsident der Nudisten-Vereinigung als Verletzung der persönlichen Rechte, was im Widerspruch zur spanischen Verfassung stehe. Dem pflichtet laut dem Diario de Avisos auch der Sprecher der sozialistischen Partei PSOE in der Gemeinde, Jaime González Cejas, bei. Die Gemeinde versuche, ein Verbot auszusprechen, das nicht mit dem Gesetz vereinbar sei, so Cejas, der Nudismus als eine Lebensphilosophie und somit als Persönlichkeitsrecht versteht. Dass das Nacktbaden am Strand von La Tejita Tradition hat, ist unbestritten und eine Tatsache, die für die Nudisten sprechen mag. Doch die Einwände der Gegner des Nacktbadens sollten nicht einfach als Prüderie abgetan werden. Nacktbaden kann nämlich durchaus ein Ausmaß erreichen, wo die Freiheit des einen zur Einschränkung oder Belästigung des anderen wird. Wer den Strand von La Tejita kennt, weiß, dass sich Nudisten längst nicht nur an einem kleinen Strandabschnitt aufhalten, wo sie „unter sich“ sind, sondern auf der gesamten Strandbreite vom Montaña Roja bis Sotavento lagern und sich ungeniert direkt vor die Nase „bekleideter“ Strandbesucher legen/stellen/setzen und gerne auch demonstrativ ihre Körper zur Schau stellen. Wer einen Spaziergang durch das Naturschutzgebiet um den Montaña Roja wagt, zu dem auch die Playa de la Tejita gehört, muss damit rechnen, auch direkt entlang des öffentlichen Wegs, auf dem eigentlich nur voll bekleidete Spaziergänger, Läufer und vereinzelt Radfahrer unterwegs sind, den einen oder anderen Nackten „in voller Pracht“ ansehen zu dürfen bzw. zu müssen. Dass es sich bei den Nackten „Wegelagerern“ fast immer um Männer handelt, mag dabei Zufall sein.
„Selbst wenn man gar nicht direkt an den Strand will, sondern einfach nur von La Tejita durchs Naturschutzgebiet spaziert – beispielsweise in Richtung El Médano – begegnet man Nackten. Oft sitzen sie hinter Büschen direkt am Rand des Gehwegs, der gar nicht mehr richtig zum Strand gehört“, erzählt eine Anrainerin, die nicht weit vom Strand entfernt in der Urbanización La Tejita wohnt. „Nackte am Strand stören mich nicht, aber sie entfernen sich auch vom Strand und zwingen damit ihren Anblick auch anderen auf. Richtig belästigt fühle ich mich, wenn ich dann beim Spazierengehen auch noch von einem Nackten blöd angequatscht werde. Und das kommt leider immer wieder vor. Es stört mich natürlich auch, von bekleideten Typen dumm angemacht zu werden, aber wenn der Kerl dann auch noch nackt ist, ist das in jedem Fall eine Belästigung. Ich würde sogar sagen eine sexuelle Belästigung.“
Angesichts der Tatsache, dass der Strand von La Tejita der größte und schönste Na-tursandstrand der Insel ist, der nicht nur von Nudisten, sondern vor allem auch von Familien mit Kindern gern besucht wird, sollte man doch infrage stellen, ob es der geeignete Ort ist, um das Zurschaustellen nudistischer Neigungen kritiklos als „persönliche Freiheit“ zu akzeptieren. Denn wo bleibt dann die persönliche Freiheit der anderen? Vielleicht sollte die Diskussion um die Playa de la Tejita ja als Anlass genommen werden, um sich – vor allem auf politischer Ebene - Gedanken über die bestehende Gesetzgebung zu machen. Denn im Moment gibt das spanische Gesetz den Nudisten tatsächlich recht. Das Recht der Nudisten-Gegner und all jener, die sich nicht nur belästigt fühlen, sondern die tatsächlich belästigt werden, bleibt hingegen komplett auf der Strecke.
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