Das Marbella-Syndrom auf Lanzarote
Fast ein Viertel der Hotels auf Lanzarote wurden vom Ober-sten Kanarischen Gerichtshof als illegal eingestuft und sind nun vom Abriss bedroht. Im Jahre 1991 initiierte die Kanarenregierung eine Revision der Bauvorschriften in den Städten des Archipels, die letztlich zur Jahrtausendwende in einem Baustopp gipfelte.
Wie die spanische Tageszeitung „El País“ berichtete, ignorierten die Verwaltungen von Teguise und Yaiza diese Bestimmungen und genehmigten weiterhin den Bau von Hotelburgen mit einer Investitionssumme von rund 270 Millionen Euro. Etwa 36,5 Millionen flossen sogar von der Europäischen Union in Form von Subventionen in die Projekte.
Dies soll die Verantwortlichen der Stadt, aber auch die Hotelbesitzer, nun teuer zu stehen kommen. Die Stiftung César Manrique prozessierte gemeinsam mit der kanarischen Regierung gegen diese illegalen Bauten und erzielte ein Urteil, das die sofortige Enteignung und den Abriss zur Folge haben kann. Seit 2006 wurden 22 Lizenzen annulliert, acht davon betreffen Hotelanlagen mit mehr als vier Sternen. Das bedeutet, rund ein Drittel der Luxushotels sind unter Umgehung der gesetzlichen Bestimmungen gebaut worden. Das jüngste, das zu den vom Abriss bedrohten Hotels zählt, ist das Fünf-Sterne-Haus „Prinzessin Yaiza“, das allein vier Millionen aus dem EU-Topf kassierte. Seit September des vergangenen Jahres rollt eine Urteilswelle über die Bettenburgen. Insgesamt 7.721 Betten wurden seither als illegal bestätigt. Weitere Verfahren sind derzeit noch anhängig und die Zahl könnte auf bis zu 15.000 „Schwarz-Betten“ steigen. Das würde 23 Prozent des gesamten Angebots (rund 65.000 Betten) umfassen, wenn man die Nicht-Hotelanlagen mitzählt und etwa die Hälfte der Hotelunterkünfte.
Darunter befinden sich bekannte Häuser, wie das „Melià Volcán“, „Iberostar Papagayo“, „Gran Castillo“, „Natura Palace“, „Rubicón Palace“, „Papagayos Arenas“, „Son Bou“ sowie das Luxushotel „Princess Yaiza“, mit mehr als 330 Zimmern in der Luxuskategorie. Außerdem sind zehn weniger bekannte Aparthotel-Anlagen, wie das „Coloradamar“, betroffen und weitere vier Projekte wurden per Baustopp auf Eis gelegt. Gegen die beiden Ex-Bürgermeister José Francisco Reyes aus Yaiza und Juan Pedro Hernández aus Teguise sowie beteiligte Architekten und Unterhändler wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Eine Sonderkommission der Einheit für organisiertes Verbrechen untersucht die Vorgänge und wird die „Gesetzes-Ignoranten“ zu gegebenem Zeitpunkt zur Rechenschaft ziehen. Nun stehen die Verantwortlichen in der kanarischen Zentralregierung, ähnlich wie in Marbella, wo tausende von Wohnungen als illegal gelten, vor dem Problem, wie die jeweiligen Urteile in die Tat umgesetzt werden können. Zwei Hotels wurden bereits zum Abriss freigegeben. „Wir können aber nicht 27 Hotels dem Erdboden gleich machen“, gibt Espino, Regierungssprecher der PSOE, zu bedenken. „Abgesehen davon, dass dies einen massiven Einschnitt in den Tourismus der Insel und eine Flut von Arbeitslosen auslösen würde, bedeutet der Abriss so vieler Häuser eine größere Umweltbelastung als deren Duldung“. Deshalb wird nun in einer gesonderten Studie untersucht, welche Hotels unter Umständen durch die Zahlung einer Geldstrafe nachträglich als tolerierbar eingestuft werden und welchen endgültig der Garaus droht.
Indiskutabel sind auf jeden Fall die Häuser, die in erster Küstenlinie stehen und dem Küstenschutz unterstehen oder mitten in empfindlichen Naturschutzgebieten gebaut wurden. Dort gilt zumindest der Abbruch des „Papagaya Arenas“, der bereits beantragt wurde, als gesichert. Auch das „Gran Castillo“, das direkt daneben, an der Playa Blanca, errichtet wurde, befindet sich innerhalb der Küstenlinie und wird wohl weichen müssen. Wie die Tourismusministerin Lanzarotes, María José Docal Serrano, telefonisch von einer Tourismusmesse in Moskau beteuerte, gäbe es derzeit überhaupt keine Veranlassung, um bereits gebuchte Urlaubstage zu bangen oder gar Stornierungen vorzunehmen.
Es ist keine Invasion der Bulldozer zu befürchten. In dem Streit können noch Jahre vergehen, bestätigen auch die Behörden, die keinen Rundum-Schlag, sondern besonnenes Handeln befürworten.
Es geht nicht darum, auf Biegen und Brechen die Einhaltung der Gesetze durchzuboxen, sondern darum das Urlaubsparadies Lanzarote und die touristische Attraktion der Insel zu erhalten.
Allerdings könne dies nicht auf Kosten der Umwelt geschehen, denn das würde sich langfristig als ebenso fatal erweisen. Es handelt sich um ein kniffliges Anliegen, das weise Entscheidungen erfordert und alle Beteiligten vermutlich noch Jahre beschäftigen wird.
Quelle:
http://www.kanarenexpress.com/1000003/1000009/0/18344/article_tf.html 